Grauhörnchen Infos

Neozoen – Neutier

Ende des 19. Jahrhunderts sind Grauhörnchen aus Amerika nach England gebracht worden und haben sich dort erfolgreich als Neozoen etabliert.

Als Neozoen (Einzahl: Neozoon Mehrzahl: Neozoa eingedeutscht Neozoen aus dem Griechischen mit der Bedeutung „Neutier“) bezeichnet man Tierarten, die vom Menschen in andere Gebiete verbracht worden sind und sich dort fest etabliert haben. Als Daumenregel gilt die ‚Zehnerregel‘. Von 100 eingeschleppten Arten schaffen 10 Arten die Etablierung, von diesen besitzt 1 Art ein Gefährdungspotential.

In Kontinentaleuropa sieht man das Phänomen im übrigen meist wesentlich gelassener, einige Experten sehen in der Neuansiedlung von Neozoen sogar eine positive Bereicherung der Fauna.

Grauhörnchen auf den britischen Inseln

Das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) war ursprünglich nur in Nordamerika beheimatet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es in England, Irland und Südafrika eingeführt. Extrem vermehrten sie sich allerdings nur in England. Gleichzeitig ging die Population der Eichhörnchen zurück, so dass man in England einen Zusammenhang zwischen der Grauhörnchen-Vermehrung und dem Eichhörnchen-Rückgang sah. Entsprechend wurden (und werden) Maßnahmen ergriffen, um die Grauhörnchen-Population zu reduzieren, weil man sich hier wieder eine Vermehrung der Eichhörnchen erhofft.

Verdrängung der Europäischen Eichhörnchen
Der Rückgang des Eichhörnchens hat aber vermutlich andere Gründe. Als gesichert gilt, dass in England bis 1926 hunderttausende Eichhörnchen geschossen und dafür sogar Prämien gezahlt wurden. Ein weiterer Grund wäre der Eingriff des Menschen in die englische Forst-Kultur. Eichhoernchen Schutz e.V. - Grauhörnchen 2Dazu zählte unter anderem das Einführen nicht-heimischer Baumarten in der Baumwirtschaft. Großbritannien gehört zur atlantischen Region der Laub- u. Mischwaldgebiete. Allerdings wurden die einst dichten Wälder seit der Industrialisierung so weit zurückgedrängt, dass sie heute nur noch einen Anteil von acht Prozent der gesamten Fauna ausmachen. Mischwald mit altem Baumbestand u.a. aus Buchen, Fichten, Kiefern, Nußbäumen und deren Sämereien bieten aber die Grundnahrung der Europäischen Eichhörnchen und würden auch sichere Baumhöhlen für den Nachwuchs aufweisen. Seit 1920 wurden von den Engländern allerdings die nicht heimischen Sitka Fichten gepflanzt, die heute ein Viertel des Waldbestandes ausmachen. Für Eichhörnchen sind die Früchte der Sitka Fichten keine geeignete Nahrung! Die Grauhörnchen sind im Gegensatz zu den Eichhörnchen nicht so stark davon betroffen, denn ein Vorteil den die Grauhörnchen gegenüber den Eichhörnchen haben ist, daß sie bestimmte Nahrung besser vertragen (z.B. die gerbsäurehaltigen Eicheln).

Keine Gefahr für Europa
Die Ursache für die starke Vermehrung der Grauhörnchen liegt vermutlich auch in der ganzjährigen Fütterung der Vögel (und somit auch der Grauhörnchen). Eine weitere Ursache könnte eine veränderte Artenvielfalt bzw. das Fehlen natürlicher Feinde sein. In England wurden z.B. die Habichte extrem bejagt und in der Vergangenheit sogar ausgerottet und mussten erst wieder 1965 angesiedelt werden.